Das Forum Hamburger Autoren

Am 9. November 1989, als die gesamte Welt auf die Geschehnisse an der innerdeutschen Grenze schaute, gab es auch in Reinbek bei Hamburg ein kleines Ereignis zu verzeichnen: im Festsaal des Reinbeker Schlosses fand das erste Forum junger Autorinnen und Autoren statt. Fortan trafen sich einige der Nachwuchsliteraten, die sich damals zu dieser öffentlichen Lesung zusammengefunden hatten, mit weiteren Interessenten regelmäßig.

 

Neue Mitglieder kamen im Laufe der Jahre hinzu, einige der älteren stiegen aus und gingen eigene Wege, das Forum junger Autorinnen und Autoren gewann an Profil, lebte und lebt vom Wandel und der Veränderung. Längst erwachsen geworden, nennen wir uns seit Herbst 2004 Forum Hamburger Autoren. Kein Dogma, keine gemeinsame Linie, kein Programm eint die Schreibenden, lediglich der ernsthafte literarische Anspruch, ohne dass damit eine thematische Beschränkung oder stilistische Festlegung verbunden wäre. Lyrik und Prosa in all ihren Spielweisen, Kurz- und Langform, auch der dramatische Entwurf finden bei uns Gehör.

 

Das Forum ist mittlerweile längst fester Bestandteil der norddeutschen Literaturlandschaft, zahlreiche Preise und Auszeichnungen der Mitglieder unterstreichen die Bedeutung. Viele der "Ehemaligen" sind bei namhaften Verlagen unter Vertrag: Karen Duve ("Regenroman") bei Eichborn etwa oder Mirko Bonné ("Der junge Fordt") bei DuMont. Aber auch einige der heutigen Mitglieder haben bereits eigene Bücher vorgelegt.

 

Eine Aufnahme ins Forum (s. dazu näher unter Kontakt) erfolgt unter rein subjektiven Gesichtspunkten, einzig und allein die Frage, ob wir uns durch die eingereichten Texte des Bewerbers angeregt fühlen, uns näher mit ihnen auseinander zu setzen, ist entscheidend. Denn nach wie vor stehen unsere zweimal im Monat stattfindenden Treffen, das "Werkstattgespräch", im Zentrum der Aktivitäten des Forums. Im kleinen Kreis werden die frischen Versuche vorgestellt, gelesen, der Kritik ausgesetzt, diskutiert.

 

Darüber hinaus präsentiert sich das Forum mit eigenen Veranstaltungen regelmäßig der Öffentlichkeit: in diversen Hamburger Cafés und Galerien sowie jeweils im Dezember an unserem langjährigen Stammsitz im Kulturhaus Eppendorf zur Jahreslesung, um dort unser dann stets frisches Jahrbuch zu präsentieren - und zu feiern. Im Jahr 1999 zu unserem zehnjährigen Bestehen erschien darüber hinaus beim Verlag Achilla Presse die Jubiläums-Anthologie "FOR(U)MLIT" als Bestandsaufnahme des bisherigen Wirkens des Forums.

2011

Von Nils Mohl erschien im Februar der Jugendroman "Es war einmal Indianerland" bei Rowohlt. Er erhielt dafür den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg.

Myriam Keil veröffentlichte im April ihren Jugendroman "Nach dem Amok" bei cbt.

Karen Köhler und Inga Sawade haben jeweils einen der sechs Hamburger Förderpreise für Literatur zugesprochen bekommen.

Das Forum gibt es jetzt auch bei Facebook: http://www.facebook.com/pages/Forum-Hamburger-Autoren/239655829402061

 

2010

Wir begrüßen unsere Neuzugänge Karen Köhler und Benjamin Maack. Außerdem freuen wir uns auf mehrere Romane von Forumsmitgliedern, die dieses bzw. nächstes Jahr erscheinen werden!

Im Oktober erscheint Katha Schultes Roman "Unwesen" bei Hablizel.

Andreas Münzner erhielt einen der diesjährigen Hamburger Förderpreise für Literatur.

 

2009

Ein neuer Februar, ein neues Buch von Nils Mohl: Sein Erzählband "Ich wäre tendenziell für ein Happy End" erscheint im Plöttner Verlag.

Ebenfalls erschienen: "Die Blumen meiner Nachbarin" von Martin Felder. Die Erzählung wurde von Raphael Egli illustriert und ist in einer auf 200 Exemplare limitierten Ausgabe bei der SchwarzHandPresse erhältlich.

Im Dezember ist das Jubiläumsjahrbuch zum 20-jährigen Forumsbestehen im Textem-Verlag erschienen: "Schreiben, das geht, aber Lesen, das halte ich nicht aus". Hier eine Rezension auf literaturkritik.de.

Bäumchen, wechsle dich: Birgit Utz verlässt nach neun Jahren das Forum, um neue Wege zu gehen. Für Nachschub sorgt seit März Nicolai Kobus. Außerdem verlässt uns Britta Günther. Und wir angeln uns Katha Schulte.

 

2008

Wieder einmal wurden zwei neue Mitglieder ins Forum aufgenommen. Den Anfang machte Myriam Keil, die seit Januar mit dabei ist, im April folgte Christian T. Schön.
Gleichzeitig haben in diesem Jahr mit Anne Otto und Matias Grzegorczyk zwei Mitglieder das Forum verlassen.

Im Februar hat Nils Mohl mit "Kasse 53" seinen ersten Roman vorgelegt und ihn mittlerweile vielerorts vorgestellt. Die ersten Rezensionen gibt es auch bereits. So verspricht beispielsweise Martin von Arndt: "Dieses Buch zu lesen ist höchster Genuss!"

Nach einigem Warten ist im März das lang ersehnte Hamburger Kneipenbuch erschienen (Berlin Verlag). Darin vertretene Forums-AutorInnen: Martin Felder, Nils Mohl, Andreas Münzner, Wiebke Spannuth-Maginess und Birgit Utz.

Sehr bücherfreudig fiel die zweite Hälfte des Jahres aus: Andreas Münzner hat im August seinen Roman "Stehle" bei Liebeskind veröffentlicht, Myriam Keil ihre Erzählung "Sonntags" bei SuKuLTuR. Im September erschien bei Achilla Presse der Roman "Neues aus Allerwelt" von Oskar Sodux.

Und auch an der Preisfront gibt es Schönes zu vermelden: Nils Mohl erhielt einen der diesjährigen Literaturförderpreise der Stadt Hamburg. Ausgezeichnet wurden drei seiner Kurzgeschichten, die im nächsten Frühjahr in dem Buch "Ich wäre tendenziell für ein Happy End" im Plöttner Verlag erscheinen werden.

 

2006

Andreas Münzner ist im November 2006 für seine Übersetzungen der Lyrik des in Hamburg lebenden Algeriers Hamid Skif mit dem Hamburger Förderpreis für Übersetzung geehrt worden.

Gratulation! Für seinen Gedichtband "Die Ordnung des Schnees" ist Andreas Münzner im August 2006 mit dem 2. Preis des Lyrikwettbewerbs des Schweizer Rilke-Festivals in Sierre ausgezeichnet worden.

Das Forum freut sich über ein neues Mitglied. Seit Mai 2006 bereichert Paula Coulin unsere Reihen. In der Hamburger Literaturszene ist sie längst keine Unbekannte mehr, tritt sie doch bereits seit einiger Zeit mit schöner Regelmäßigkeit bei den Leseevents der Hamburger Szene in Erscheinung: Von den Zeise-Slams über die Macht und Transit bis zum KaffeeSatzLesen, Paula Coulin hat überall ihre prägnante literarische Duftmarke hinterlassen.

Nachdem Andreas Münzner bereits vor zwei Jahren zum Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis eingeladen war, hatte im Juni 2006 Sigrid Behrens die Ehre, sich dort bei den Klagenfurter Tagen der deutschsprachigen Literatur der Fernsehöffentlichkeit des Kultursenders 3sat sowie der Jury präsentieren zu dürfen. Sie hat dort eine in sich geschlossene Episode aus ihrem Prosaprojekt „Diskrete Momente“ vorgestellt, das im kommenden Jahr bei Hanser erscheinen soll. Auch wenn es ihr letztlich nicht gelungen ist, die Jury insgesamt zu überzeugen, und sie auch Kritik einstecken musste, erfuhr ihre literarische Gestaltungskraft doch auch Zuspruch. So lobte etwa Heinrich Detering, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Göttingen, den sehr zarten, feinen und gerade dort, wo es um hitzige, erhitzende Dinge geht, angenehm kühlen, oder abgekühlten Text mit seinem schönen Rhythmus und einem richtigen und durchgehaltenen Sound. Klaus Nüchtern, der sich als Juror zu einem etwas simplen Literaturbegriff bekannte, demzufolge gute Literatur sich dadurch auszeichnet, dass sie etwas Neues bietet, unterhält und den Leser sich und die Welt neu entdecken lässt, bekundete, dass Sigrid Behrens’ Text dies auf eine nicht nur schöne, sondern auch kluge Weise aufgenommen hat. Und die Wiener Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl gab zu Protokoll, dass ihr die Idee des Textes gut gefallen habe, die von Sigrid Behrens auf eine ganz eigene Art gelöst sei, es gehe um die Anatomie der Liebe, die ganz genau und bis ins Kleinste seziert werde. Weitere Informationen zum Wettbewerb finden sich unter bachmannpreis.orf.at, wo auch die Wettbewerbstexte nachzulesen sind.

In diesem Jahr ist Nils Mohl bereits zum zweiten Mal zum MDR-Literaturwettbewerb nach Leipzig mit anschließender Lesetour durch Köthen, Weimar und Chemnitz eingeladen worden. Als einer von sieben Finalisten aus 2027 Bewerbern. Aus der Literaturnacht am 8. Mai 2006 ging er zudem gekürt mit dem dritten Preis hervor. An seiner Kurzgeschichte „Tanzen gehen“ überzeugte die Jury insbesondere die „große Präzision und atmosphärische Dichte“ und dass der Text „in seiner Schlichtheit authentisch“ wirkt. Der Text wird im kommenden Jahr in einer Wettbewerbsanthologie des Leipziger Faber & Faber-Verlags nachzulesen sein. Näheres unter www.mdr.de/kultur/literatur.

Andreas Münzner hat Anfang März 2006 am 15. Münstereifeler Autorentreffen der Kurt-Schumacher-Akademie in Bad Münstereifel teilgenommen. Drei Tage lang trafen sich dort zwanzig Autoren zu einer Werkstattklausur um sich gegenseitig ihre neuesten Texte vorstellen und diskutieren. Ihn erwartete dort mithin eigentlich genau das, was ihm aus dem Forum vertraut ist. Nur dass bei Forumstreffem die Diskussionszeit für einen vorgestellten Text nicht auf eine halbe Stunde begrenzt ist. Dennoch erlebte er auch dort eine spannendes, konstruktives Gesprächsklima.

 

2005

Das nun schon traditionelle gemeinsame Herbstwochenende hat das Forum diesmal Anfang Oktober 2005 in die Elbmarschen bei Bleckede nach Karze verschlagen. Die vom Literaturdiskurs erhitzten Gemüter konnten wir beim Bad in der Elbe kühlen. Und reichlich Nachwuchs gab es zu bestaunen. An Geburtenrückgang mag in diesem Jahr im Forum keiner glauben.

Mit Freude gilt es zu berichten, dass Andreas Münzner am 4. Oktober 2005 mit dem Ernst-Meister-Förderpreis für Lyrik der Stadt Hagen ausgezeichnet wurde. Die Jury sprach ihm den Preis für seine „weit ausgreifenden und traumgenauen Gedichte“ zu, in deren gezielter Unordnung er „mit elegischer Kraft und bestechender Ironie […] die großen Weltfragen mit den alltäglichen Anstrengungen“ verquickt. Überzeugen kann man sich hiervon in dem jüngst bei zu Klampen erschienenen Lyrikband „Die Ordnung des Schnees“.

Im Mai 2005 ist Maja Rettig ins Forum aufgenommen worden. Sie arbeitet sich zur Zeit in den Stoff für ihren zweiten Roman ein, ein Projekt mit Prosaminiaturen steht vor dem Abschluss.

In 2004 tingelte Sigrid Behrens mit ihren Texten mit Einladungen umworben von einen Autorentheatertagen zu den nächsten. Nun in 2005 beginnt dies mit Perspektive auch bereits ins nächste Jahr verdiente Früchte zu tragen. Das Stadttheater Aachen wird im Oktober 2005 einen von ihr als Auftragsarbeit zu der dreiteiligen Reihe "TraumStadtSaga" geschrieben Text auf die Bühne bringen. Vermutlich zum Jahresbeginn 2006 wird die Uraufführung ihres Stückes "Fallen" am Badischen Staatstheater Karlsruhe stattfinden. Und für April 2006 steht am Meininger Theater die Uraufführung der musikalischen Theaterrevue "Das Mädchen aus dem Eis“ statt, die sie gemeinsam mit Jan Dvorák, der auch die Musik beisteuert, geschrieben hat. Eine Zukunftsvision aus dem Jahr 2400, in dem sich die Menschen in Schutzräume unter den Gletschern der nächsten Eiszeit verkrochen haben. Geschildert wird mit Spaß an der Verwirrung und rasantem Rock’n’Roll der Versuch einer Rekonstruktion des 20. Jahrhunderts anhand der popkulturellen Relikte, die bei einer eingefrorenen jungen Frau gefunden wurden. Wie wird sie aufgetaut und reanimiert darauf reagieren. Wir dürfen gespannt sein.

 

2004

Sehr freuen wir uns mit Wiebke Maginess, die erst in diesem Jahr zu uns gestoßen ist und im November 2004 schon gleich einen der diesjährigen Literaturförderpreise der Stadt Hamburg in Empfang nehmen durfte.

Nachdem Iris Reichert schon seit längerem im Kampf zwischen Diplomarbeit und Arbeitsleben den Weg ins Forum nicht mehr gefunden hat, hat sie im September 2004 nunmehr leider die Konsequenz daraus gezogen und dem Forum auch formell den Rücken gekehrt. Wir sind dankbar für die Zeit, die wir so hautnah an ihrer äußerst knappen und präzisen Lyrik teilhaben durften und hoffen, dass ihre schriftstellerische Arbeit nicht ganz zum Erliegen kommt.

Nach mehreren Anläufen, dem Forum einen zeitlosen Namen zu geben und angesichts fortwährender Missverständnisse, die uns immer wieder mit Jugendliteratur in Verbindung brachten, ist es nunmehr in einem komplizierten Entscheidungsfindungsprozess vollbracht: Tiefgründige Vorschläge wie Marion, Murof oder Raun.e.V. sind auf der Strecke geblieben. Mit Wirkung vom 22. September 2004 nennt sich das ehemalige Forum junger Autorinnen und Autoren Hamburg nunmehr schlicht Forum Hamburger Autoren. In der Endabstimmung setzte sich diese Bezeichnung letztlich deutlich gegen Forum Literatur Hamburg und ForumLit durch. Selbstverständlich bleiben wir und insbesondere unsere Literatur auch trotz veränderten Namens bis ins hohe Alter jung!

Als vielgefragte Frau der Theaterautorenszene war Sigrid Behrens im September 2004 zum renommierten internationalen Theaterfestifal BITEF nach Belgrad in Serbien eingeladen. In einem dazugehörigen Symposium durfte sie dort zum Thema "Relations Between the Conceptual and the Sensibel" in der zeitgenössischen Bühnenkunst referieren.

Im Frühjahr 2004 hat das Forum Wiebke Maginess als neues Mitglied begrüßt, im Juni ist desweiteren Matias Grzegorczyk, einer der Hamburger Förderpreisträger des Jahres 2002 dazugestoßen. Dagegen hat Charlotte Richter-Peill das Forum im Mai 2004 nach über zwei Jahren fruchtbarer Zusammenarbeit wieder verlassen, um sich ganz in ihr neues Romanprojekt versenken zu können. Derweil können wir uns schon einmal auf das Erscheinen ihres schon fertigen Romans Das letzte Zimmer im November 2004 bei Goldmann freuen.

Forums-Autorin Sigrid Behrens war im Juni 2004 zum Festival-Workshop "Forum junger Autoren Europas" der Theaterbiennale "Neue Stücke aus Europa", die vom Staatstheater Wiesbaden und dem Schauspiel Frankfurt veranstaltet wird, nach Wiesbaden eingeladen. Im Rahmen einer Schreibwerkstatt wurde dort unter ihrer Mitwirkung ein Gemeinschaftstext erarbeitet und zur Inszenierung geführt. Zeitgleich gab es im Rahmen des Junge-Hunde-Festivals in Meiningen unter dem Titel "Das Leben. Gebrauchsanweisung" im dortigen Schlossmuseum eine Literaturinszenierung von Malte Ubenauf geben, zu der sie ebenfalls einen Text beigesteuert hat. Ebenfalls im Juni konnte Sigrid Behrens sich zudem beim sogenannten "Zigarettenroman-Wettbewerb" im Münchner Literaturhaus mit Platz zwei unter die fünf Gewinner einreihen. Ihr preisgekürter Text "Lore" ist unter jetzt.sueddeutsche.de/f/jetzt/zeitvergeuden/hoerensehen/lesung.php als Audiodatei abrufbar und wird im Blumenbar-Verlag als lesenswerte Zigarettenschachtelhülle erscheinen.

Bei den Klagenfurter Tagen der deutschsprachigen Literatur ist vom 23. bis 27 Juni 2004 Andreas Münzner im Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis angetreten. Nach zahlreichen Beteiligungen von Forumsmitgliedern an der dortigen "Häschenschule" (etwa Stefanie Richter, Birgit Utz, Sigrid Behrens, Martin Felder) und nach Auszeichnung von Ex-Forums-Mitglied Mirko Bonné mit dem Ernst-Willner-Preis beim Wettbewerb 2002 ist Andreas Münzner, der mit seinem bei Rowohlt erschienenen Roman "Die Höhe der Alpen" überregional auf sich aufmerksam machte und der selbst schon einmal als Häschen dort war, das erste aktive Forumsmitglied, das eine Einladung zum eigentlichen Bachmann-Wettbewerb erhalten hat. Sein dort vorgetragener Text "Kennen Sie Tschechow" ist nebst weiteren Hintergrundinformationen zum Wettbewerb unter bachmannpreis.orf.at nachzulesen. Andreas Münzner wurde aus dem Kreis der achtzehn Teilnehmer zwar noch in die Runde der zehn preiswürdigen Kandidaten nominiert, letztlich vermochte sein Text die Jury aber leider nicht für sich zu gewinnen. Nils Mohl nahm parallel dazu als Stipendiat am dortigen Literaturkurs 2004 teil.

Forums-Mitglied Martin Felder engagiert sich seit Frühjahr 2004 in Zürich in der Autorengruppe index und organisiert dort monatliche Lesungen. Als literarischer Zweig eines spartenübergreifenden Künstlernetzwerkes gleichen Namens arbeitet die Gruppe ähnlich wie das Hamburger Forum junger Autorinnen und Autoren. Martin Felder verspricht jedoch, dem Forum nicht untreu werden zu wollen. Näheres zu den Aktivitäten von index unter www.index-art.net.

Von Januar bis März 2004 weilte Charlotte Richter-Peill als Stipendiatin zu einem "Studienaufenthalt" im Künstlerhaus Kloster Cismar bei Grömitz an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Birgit Utz freut sich darauf ihr im Frühjahr 2005 dort nachfolgen zu dürfen.

Auch in 2004 sind Autorinnen und Autoren des Forums auf den zahlreichen Bühnen zu Gast, die das literarische Leben Hamburgs bereit hält, außer im Rahmen unserer eigenen Lesungsreihe in der Schilleroper etwa beim MACHT-Club im Malersaal des Schauspielhauses (Andreas Münzner als Übersetzer für Hamid Skif), beim Kaffee.Satz.Lesen der RedereiHamburg in der Hammerbrooker Baderanstalt (Nils Mohl und Andreas Münzner), in Rüdiger Käßners Room 21 (Nils Mohl und Birgit Utz) oder im Rahmen der Transit-Lesungsreihe von minimal trash art (Sigrid Behrens und Birgit Utz) jeweils in der Schilleroper, im Kukuun (Silke Stamm) und dem dortigen Kunstrasen (ebenfalls Silke Stamm) oder auch bei "return" in der Marktstube (im Freundinnen-Dreierpack Anne Otto, Silke Stamm und Birgit Utz) sowie beim Privatvergnügen im Loft fünfterstock in der Margarethenstraße (Sigrid Behrens).

 

2003

Im Mai 2003 war Sigrid Behrens mit ihrem Gruppenmonolog "Unter Tage" zum Wochenende der jungen Dramatiker an den Münchner Kammerspielen zu Gast, im November 2003 folgte eine Einladung zum Theaterautorenwochenende ans Staatstheater Saarbrücken. Theaterheute urteilte im Mai: "Ein Text, der sich ständig aus dem Augenwinkel beobachtet, der Abstand nimmt von sich selbst und sich dem Theater nicht an den Hals wirft. Trotzdem sollte man sich den Namen Sigrid Behrens schon mal merken." Die Saarbrücker Zeitung scheint sich dies ins Stammbuch geschrieben zu haben und Sigrid Behrens im November mit einem Preis bedacht. Der Saarländische Rundfunk plant eine Hörspielfassung.

Im November 2003 hat in Berlin das Musiktheaterstück Plattform Sieben nach Joseph Haydn und Chris Marker unter der Regie von Thomas Fiedler und in einer Textfassung von Sigrid Behrens am Hebbel am Ufer Premiere gehabt. Plattform Sieben versteht sich als Versuch, Bilder aus der Vergangenheit zu vergegenwärtigen; ihre rückwirkende Infragestellung scheint dabei unvermeidbar: Haydn vertont das Sterben Jesu, Chris Marker schickt in seinem Photo-Roman "La Jetée" einen Mann auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Ein Streichquartett und vier Sänger bemühen sich um die Rekonstruktion des Haydn-Oratoriums; parallel dazu versuchen sich eine Sprecherin und ein Sprecher an der Nacherzählung von "La Jetée". Ist Haydns affirmativer Umgang mit der Kreuzigung heutzutage noch zu fassen? Lässt sich die eigene Vergangenheit am Leben erhalten? Wo lagern unsere Erinnerungen? Zweierlei Bildverluste treffen aufeinander; in Echtzeit werden fremde Tode nacherzählt. Das Publikum mischt sich unter die Ausführenden und hört zu.

Im November 2003 ging Nils Mohl - nach 2001 bereits zum zweiten Mal - in der Hauptstadt beim Open Mike zum Wettlesen an den Start, diesmal unter falschem Namen, mit Co-Autor und zudem mit Lyrik.

Nachdem unsere erfolgreiche zweimonatliche Lesungsreihe "Fortsetzung folgt" in der Galerie "Das Wohl" auf St. Pauli im Frühjahr 2003 zu einem frühen Ende gekommen war, weil die Galerie im Mai leider ihre Pforten geschlossen hat, sind wir eine neue Kooperation, diesmal mit der Schilleroper, eingegangen. Einen erfolgreichen Auftakt gab es dort bereits Ende August mit einem sehr maritimen, wasserhaltigen Programm (Sigrid Behrens, Iris Reichert, Alicja Wendt), gefolgt von einem Herrenabend mit Frauengeschichten Ende Oktober (Oskar Klett, Nils Mohl, Sascha Sajuntz, Oskar Sodux).

Das Forum tanzt auf vielen Hochzeiten. Nicht nur als Protagonisten unserer eigenen Lesungsreihe in der Schilleroper, auch im Rahmen zahlreicher anderer Veranstaltungsreihen und Lesungen an unterschiedlichen Orten traten Autorinnen und Autoren des Forums im Herbst des Jahres 2003 in der Hansestadt vielfältig in Erscheinung, sei es im neu in den Malersaal des Schauspielhauses gewanderten MACHT-Club (Sigrid Behrens), sei es bei Jochen Brachmanns Seitensturm in den Kammerspielen (Andreas Münzner), sei es im Rahmen von Rüdiger Käßners Room 21 in der Schilleroper (Nils Mohl, Britta Günther), im Rahmen der Transit-Lesungsreihe von minimal trash art ebenfalls in der Schilleroper (Birgit Utz, Charlotte Richter-Peill, Britta Günther) oder sei es im Kukuun (Charlotte Richter-Peill, Alicja Wendt).

Im September 2003 erhielt Andreas Münzner in Zürich den Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung für seinen bei Rowohlt erschienenen Roman "Die Höhe der Alpen" verliehen und war zudem als letztjähriger Preisträger der Jürgen-Ponto-Stiftung ins Rahmenprogramm der diesjährigen Preisvergabe nach Frankfurt geladen.

Nachdem sie bereits Ende Juni mit ihrer Erzählung "Frau Simon" zum 7. Klagenfurter Literaturkurs eingeladen war, ist Sigrid Behrens ab Herbst 2003 nun auch Stipendiatin der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin und tritt damit in die Fußstapfen von Nils Mohl, der dort im Jahr 2001/02 an seinem Romanprojekt arbeiten konnte.

Einer nunmehr bereits dreijährigen Tradition folgend bricht das Forum am 22. August 2003 auch in diesem Jahr zu einem kollektiven, kreativen, diskursiven und vor allem kommunikativen Forums-Wochenende auf. Wie bereits im vergangenen Jahr ist nach einer esoterischen Pension auf Sylt und einem Heuhotel in der Lüneburger Heide in den Vorjahren unser Ziel das mecklenburgische Dörfchen Quaal, wo uns allenfalls Frösche oder der Lockruf der nahen Ostsee von produktiver Textarbeit abhalten können.

Auf Einladung der Hamburgischen Anstalt für neue Medien hat Sascha Sajuntz am 19. August 2003 eine Feierabendlesung für die dortigen Mitarbeiter gegeben.

Britta Günther genoss in der Zeit von Anfang Juli bis Mitte August 2003 als Literatin ein Arbeitsstipendium im Künstlerdorf Höge bei Bremen.

Am 21. Juni 2003 gastierte das Forum junger Autorinnen und Autoren Hamburg auf Einladung von weim/art e.V. (einer Initiative von Studierenden des Studienganges Kulturmanagement der Hochschule für Musik Franz Liszt) und unter Schirmherrschaft des Präsidenten der Stiftung Weimarer Klassik zu einer Lesung junger Literatur JuLi im Juni in der Dichtermetropole Weimar. Moderiert von Forumsgründer Sascha Sajuntz gaben Martin Felder, Britta Günther, Andreas Münzner, Silke Stamm, Birgit Utz und Alicja Wendt im dortigen Kulturzentrum Straßenbahndepot vor einem gepackten, hoch aufmerksamen Auditorium von etwa 120 Kulturinteressierten Einblicke in ihr literarisches Schaffen. Die nächtliche Lesung mündete in ein rauschendes Fest mit mehreren DJs, das bis in die frühen Morgenstunden währte. Die organisatorische Betreuung war phänomenal, sogar von den Litfasssäulen prangten ganz offiziell farbige Plakate speziell für diese Veranstaltung. Unser Dank den Organisatoren!

Im April 2003 hatte das von Nils Mohl zusammen mit seinem Kompagnon Max Reinhold als Standortbestimmung des jungen deutschen Mannes zu den Themen Klonen, Kantinenreis, Männerhandtaschen, Wasser, Menstruation, Bierdosen, Pest, Brillen, Satellitenfrösche, Weltschmerz und Chromrand geschriebene Stück "revolution" in Basel in einer Inszenierung von Christoph Moerikofer seine erfolgreiche Uraufführung mit nachfolgendem Gastspiel in Zürich. Die Neue Zürcher Zeitung urteilte: "Ein attraktives, junges Stück Zeitdiagnostik"; weitere Pressestimmen unter www.literatur-kosmos.de. In der Folge - Erfolg öffnet Türen - waren die beiden im September 2003 noch zu einer Leseperformance unter dem Titel "revolution redux" an die Freien Kammerspiele nach Magdeburg eingeladen.