Elisa Helm

Elisa Helm

Geboren 1982 in Hamburg, da aufgewachsen und geblieben.

Studium der Germanistik und Japanologie an der Uni Hamburg, beruflich jetzt in der Internetbranche unterwegs und gerade mit dem ersten Roman „Schattengang“ fertig geworden. 1. Platz beim AstroArt Literaturpreis 2012, erste Veröffentlichung im „Ziegel – Hamburger Jahrbuch für Literatur 2012 / 2013“.

 

Leseprobe

 

(Auszug aus „Schattengang“)

 

Ich lehne mich an die Hauswand, die mit bunten Farben besprühte. Die ist ganz warm. Um mich herum sind Baustellen. Alles wird neu gemacht. Jans Name steht da noch an der Tür, Alices auch. Meiner nicht, meiner war ja auch nur aufgeklebt. Weißt du noch Alice. „Heute Nacht wird die Stadt wackeln“, hast du an diesem einen unerträglich heißen Abend gesagt, und gelacht und ich fand gut, wie leicht du so ein Gefühl immer in Worte fassen konntest, das in der Luft hing, und das irgendwie alle gerade in sich hatten. Ich habe den Satz in meinem Kopf wiederholt. Ein paar Mal. Heute Nacht wird die Stadt wackeln. Stadt wackeln. Stadt wackeln. Dieses leichte Vibrieren in der Luft war schon da, das von den Strommasten kam, Vibrieren vor Spannung. Eine schwarze Wolkendecke kam zügig vom Stadtrand zu uns rüber gekrochen.

 

Die fleißig arbeitende Alice in ihrem Zimmer. „Hi“, sagte sie zu mir und malte dabei auf ein Stück Stoff. „Alles klar?“

 

Ich: barfuß, mit zerrissener Jeans und einem weißen T-Shirt, Kopfhörer noch auf. Als hätt mich wer niedergehauen, mit der Faust, so fertig. Ein Blitz leuchtete blau, ein Windstoß wehte mit Kraft von einem Fenster ins andere. Auf los geht’s los!

 

„Alles klar?“, fragte Alice ein zweites Mal und ich konnte gar nichts sagen. Kam ja von Sophia, aus dem ganz falschen Film, einer geheimen Hintertür, die keiner sehen sollte. Konnte sie nur angucken, Alice, die sich Licht an ihrem großen Eichenschreibtisch gemacht hatte, und da saß, mit ihren Leggins, mit ihren in allen Farben bunt gemalten Fußnägeln und einem zur Hälfte aufgelösten Flechtezopf zwischen Nähmaschine, Stoff, Wasserkocher und Instantkaffee.

 

„Sag mal was“, hat sie gesagt und gelacht. Sie hob und senkte den Arm beim Nähen. Wollte ich ja auch, aber es ging nicht.